PORTRAIT „more than design“

 

 

Portrait im Wiener Design-Magazin
„more than design“:

 

Veröffentlichung eines Interviews mit Valerie Medicus in der Oktober-Ausgabe 2018 von „more than design“.
„more than design“ ist ein Magazin für alle, die mehr über die Geschichte hinter dem Design erfahren wollen.

 

 

 

KREATIVE KONZEPT IONISTIN

Ihre Designwelten sind schlicht und doch von einer aussagekräftigen Spontaneität. Sie macht sich gern ein Bild über ihre Kunden, bevor sie deren Potenzial visuell voll ausschöpft. Das branchenübergreifende Ausleben ihrer Kreativität wiederum bringt das eigene Potenzial eindrucksvoll zu Papier, auf Edelmetall, Porzellan oder auch Holz. Die Salzburger Grafikdesignerin hat uns einen Einblick in die ästhetische Ordnung ihrer Welt gewährt.

Text: Michaela Hocek Fotos: Helge Kirchberger, Valerie Medicus

Im Gespräch mit …

Valerie Medicus / Grafik Designerin

Wie wichtig sind Auslandsaufenthalte für Ihre Laufbahn gewesen?

Nicht wegzudenken. Ich wäre ein anderer Mensch, hätte ich meine längeren Aufenthalte in Gijón (Nord-Spanien), New York oder London nicht erlebt. Somit haben diese Erfahrungen auch eine direkte Auswirkung auf meine Arbeiten. Jeder drückt sich ja so aus, wie es seinem Wesen entspricht. Ich war diesen Sommer im sehr ursprünglichen Norden von Bali. Auch das hat mein Design-Spektrum und meine Persönlichkeit weiter geprägt und wird sich schließlich in der Art, wie ich an Dinge herangehe, äußern.

 

AUSGEZEICHNETES DESIGN
Für den Eisl Eis Salon in der Salzburger Getreidegasse 22 wurde ein Design passend zum Bio-Schafmilcheis kreiert: bauschig, weich, flaumig, locker, wollig, wolkig sind die Attribute der visuellen Umsetzung. Das Marketingkonzept, das in Zusammenarbeit mit der PR- und Eventagentur Brilliant Communications realisiert wurde, errang den 3. Platz beim Salzburger Landespreis 2017.

Welches Material stachelt Ihre Kreativität am meisten an?

Das kann ich nicht konkret beantworten. Inspiration ist allgegenwärtig, wenn man nur seinen Blick schärft und sich auf Dinge einlässt. Dann wäre mein „Material“ vielleicht Ruhe, Zeit und intensive Beobachtung.

Wie sehr beeinflussen Social Media und neue Technologien wie VR das heutige Grafikdesign?

Wenn wir von der angewandten Grafik sprechen, wird es immer die Kunst bleiben, mittels Zeichen bzw. Schrift, Bildern, Farbe und Formen auf ansprechende Art Inhalte zu vermitteln. Eine Veränderung kann ich aus der Praxis bisher nur insofern feststellen, dass ich wegen der Darstellung bei mobilen Medien in anderen Proportionen gestalten muss und mich mehr und mehr im RGB-Farbraum bewege, mich also nicht mit echten Farben beschäftige. Aber das ist nichts Neues. Der Grafiker muss sich ja immer mit seinem Layout nach dem Endformat bzw. Medium richten.

EDELMETALL IM HAAR
„note : haarschmuck“ ist ein Projekt der (Schmuck-)Künstlerin Martina Mühlfellner und Grafik-Designerin Valerie Medicus. Die Zusammenarbeit entstand 2017 aus dem Wunsch nach hochwertigen Haarspangen. Edles Material für die Haare schien in Vergessenheit geraten zu sein. Die Wiederbelebung eines beachtenswerten Accessoires, das verschwunden war, ist gelungen.
Die handgefertigten Haarspangen und Applikationen aus 18-karätigem Gold und Silber 925 sind von 26. bis 28. Oktober 2018 bei der Blickfang Wien im MAK zu sehen. www.note-haarschmuck.at

Für Design generell stelle ich aber fest, dass auf den Social-Media-Plattformen sehr viel Kreativität von allen Seiten gefordert wird. Um in den Weiten des Internets aufzufallen, muss man sich schon etwas einfallen lassen. Die Leute bemühen sich daher um gut aufbereitete Inhalte und haben auch die Möglichkeit, mit Amateurprogrammen halbwegs schönes Design schnell und einfach selbst zu generieren. Dadurch entstehen aber auch Gestaltungstrends, die eine globale Stilvereinheitlichung zur Folge haben. Das Designniveau ist nun zwar gestiegen, Fertigpizza bleibt aber Fertigpizza …
Die VR-Technologie eröffnet wie jede neue Technologie wieder ein neues Feld sich zu betätigen. Spannend finde ich die Anwendungsfelder in der Medizin. Dafür wird es auch Grafikdesigner für die Interfaces und das Screendesign brauchen. Es gibt spezielle Anforderungen, und es wird sich daher eine neue Ästhetik entwickeln. Ich freu mich auf den ersten Kunden, für den formal und inhaltlich ein Design in der dritten Dimension passt. Prinzipiell glaube ich ja auch daran, dass sehr viel parallel existieren kann und soll. Mein Mann hat heuer z.B. zum Geburtstag wieder einen Plattenspieler bekommen.

„Grafikdesign bleibt nicht an der Oberfläche,
unterscheidet sich vom Dekorieren maßgeblich.“

VALERIE MEDICUS

Wie gut muss man den Kunden kennen, um die DNA eines Unternehmens zu illustrieren?

Wenn ich zum ersten Mal bei einem Kunden sitze, habe ich mein Radar voll ausgefahren. Letztendlich kommuniziert ja alles, was einen umgibt, wie man sich sieht oder gesehen werden möchte. Meist bewahrheitet sich im Lauf der Zusammenarbeit dieser erste Eindruck. Ich mache mir ein Bild, wie sich das Unternehmen präsentiert, und versuche das Potenzial zu erkennen, wo man es optimal positionieren könnte. Dabei achte ich stark auf die Persönlichkeit des oder der Kunden. Der Auftritt des Unternehmens muss ja mit den Menschen zusammenstimmen und realistisch sein. Meine Fragen gehen oftmals weit über das Design hinaus. So entwickeln wir gemeinsam eine Vision, die das Unternehmen und vor allem die Menschen dahinter glaubhaft repräsentieren können. Ich setze mich schon intensiv mit dem Unternehmen bzw. dem Produkt und den dazugehörigen Personen auseinander. Genau das macht aber den Reiz der Sache aus und ist für mich der einzige Weg, um zu einer stimmigen Designlösung zu kommen. Den Kunden jedoch zu gut zu kennen, kann auch hinderlich sein. Diesen Fakt kennt, denke ich, jeder Designer, der schon einmal für Familie oder gute Freunde gearbeitet hat.

ZELLE DES ARCHITEKTEN
Die gemeinsame Entwicklung einer Vision ist Valerie Medicus wichtig. Für Göbl Architektur ist farbenfrohes, schlichtes Grafikdesign mit einprägsamen Claims entstanden.

Wie haben Sie Ihre Leidenschaft für Grafikdesign entdeckt?

Ich denke, als mir aufgefallen ist, dass es Grafikdesigner und Agenturen gibt, die wirklich schlaue und witzige Ideen haben. Da habe ich bemerkt, dass Grafikdesign nicht an der Oberfläche bleibt, sich vom Dekorieren maßgeblich unterscheidet. Sehr motivierend waren für mich damals (vor 20 Jahren) die Arbeiten von Stefan Sagmeister und Pentagram. Es ist relativ leicht, etwas schön zu machen. Aber ein Konzept so umzusetzen, dass jeder auf Anhieb die Geschichte und den Wert dahinter versteht, ist eine Herausforderung. Außerdem hat mich die haptische Seite fasziniert. Man arbeitet mit realen Materialien – Papier, Holz, Metall etc. Ich fahre immer noch gerne zum Andruck in die Druckerei oder suche Holz beim Tischler aus. Die Zusammenarbeit mit Künstlern und Handwerken bereitet mir Freude. Generell ist es aber die Möglichkeit, meine Kreativität auszuleben und mich in Details zu vertiefen, ohne von zu vielen anderen abhängig zu sein – was nebenbei mit zwei Kindern ein Vorteil ist! Für mich ist es jedes Mal ein besonderes Anliegen, das Wesen einer Sache mit Zeichen, Farbe und Material visuell umzusetzen. Mit jeder Gestaltung trage ich ein klein wenig dazu bei, dass ein kleiner Teil der Welt in eine gewisse ästhetische Ordnung gebracht wird. Meine Website ist für mich so wie ein Setzkasten, den ich mit Dingen fülle, wie ich die Welt sehen will.

 

November 12, 2018